Igelpflege

Wie wildert man einen Igel aus?

Wenn die Igel auf unserer Station wieder gesund sind, müssen sie wieder in die Freiheit entlassen werden. Wer einen möglichst igelfreundlichen Garten zur Verfügung hat, kann sich im aktion tier Igelzentrum als Auswilderungsstelle melden, denn nicht jeder Igel kann durch seine Finder wieder am Fundort ausgewildert werden.


Ein Beitrag von Karolin Schütte
Im aktion tier Igelzentrum praktizieren wir in der Regel eine sanfte Auswilderung. Foto: © aktion tier Igelzentrum

Auswilderungsort

In der Regel sollten Igel immer an ihrem Fundort wieder ausgewildert werden. Insbesondere Alttiere haben hier ihr Revier und kennen die Umgebung. Wichtig ist aber, dass dieser Ort auch igelfreundlich ist. Igelfreundliche Gärten zeichnen sich dadurch aus, dass sie naturbelassen bewirtschaftet werden. Laubhaufen, Totholz und bodennahe breite Hecke sollten vorhanden sein. Außerdem müssen dem Igel Unterschlupfmöglichkeiten geboten werden. Als naturnahes Nest eignet sich zum Beispiel ein mit Stroh oder Blättern gefülltes Holz-Igelhaus, eine Stein-Igelhöhle oder ein angelehntes Brett mit Stroh dahinter. Ein Winterschlafplatz kann durch einen geschichteten Laub-Reisighaufen ermöglicht werden.

Müssen Jungigel in einem Freigehege ausgewildert werden?

Anders als häufig propagiert ist es unserer Meinung nach nicht unbedingt notwendig, einen Jungigel, der bereits außerhalb des Nestes aktiv war, erst in einem Freigehege an das Leben in der Natur zu gewöhnen. Sollte allerdings ein Tier ausgewildert werden, welches noch im Säuglingsalter aufgenommen wurde und das Nest noch nicht verlassen hatte, ist die Eingewöhnung über ein Gehege besser. Ein Gehege zur Eingewöhnung sollte mindestens 4 qm groß sein. Es müssen ein Schlafhaus sowie Deckung angeboten werden, ggf. sollte das Gehege abgedeckt werden. Für genauere Infos beraten wir gerne. Nach einer Eingewöhnungszeit von ca. 1 bis 2 Woche kann das Gehege geöffnet werden, sodass dem ausgewilderten Igel Unterschlupf und Futterstelle weiter zur Verfügung stehen.

Zeitpunkt der Auswilderung

Im besten Fall können Jungigel noch vor dem ersten Winterschlaf ausgewildert werden. Sollte allerdings schon Bodenfrost gemeldet sein, sollten Igel geschützt überwintert und erst im Frühjahr ausgewildert werden.

Da Igel dämmerungs- und nachtaktiv sind, sollten sie zum Abend ausgewildert werden. Bis dahin können Sie in ihrer Transportbox an einem ruhigen und kühlen Ort untergebracht werden. Entweder wird das Tier dann direkt in ein vorhandenes Igelhaus gesetzt oder der Auswilderungskarton wird an ein natürliches Nest und eine Futterstelle gestellt, sodass der Igel selber entscheiden kann, wann er den Karton verlässt. Der Karton sollte am folgenden Tag wieder entfernt werden.

Fütterung als Unterstützung nach der Auswilderung

Nach der Auswilderung sollte für einige Tage eine Futterstelle (Hinweise zur Igelfütterung im Garten) eingerichtet werden. Gerade für Jungigel ist diese Unterstützung wichtig, da sie noch nicht so viel Erfahrung wie erwachsene Igel sammeln konnten. Gegebenenfalls kann die Futterstelle vor anderen Tieren durch ein Futterhaus geschützt werden. Eine Wasserstelle sollte immer zur Verfügung stehen. Sobald der Winter einbricht, sollte die Fütterung allerdings eingestellt werden, damit die Tiere den Winterschlaf antreten.

Selbstgebautes Igel-Futterhaus
So ein Futterhaus für Igel kann man recht einfach selbst bauen, wie beispielsweise aus einer umgedrehten Plastikbox. Foto: © Gertraude Göpner